Scharfstellhilfe für die
Astrofotografie
[Autor: Raimund Hilz]
Hallo Astrofotografen,
wer von uns Astrofotografen kennt nicht das leidige Problem mit dem Scharfstellen der Kamera, eine Grundvoraussetzung für gute Bilder. Wenn dann alles genau eingestellt ist kann es losgehen, bei der nächsten Sitzung jedoch beginnt das ganze Gezeter wieder von neuem. Beim drehen an den kleinen Knöpfen des Okularauszuges ist beim besten Willen nicht genau festzustellen, ob er sich nun nur ein wenig oder doch schon etwas mehr bewegt hat.
Nachdem ich schon eine mm Skala auf dem Okularauszug angebracht habe, war es zwar ein bisschen besser aber die Auflösung war einfach zu wenig.
Besser Ergebnisse wurden danach mit einer montierten Messuhr mit 0,01mm Auflösung erzielt, aber einmal nicht aufgepasst, an die Befestigung gestoßen und alles war wieder im Eimer bzw. verstellt. Die Messuhr mag auch keine Schläge. (Wer hat das schon gerne?) Ein weiter Nachteil dieser Lösung war, das der Weg der Messuhr nur 10mm betrug, was zwar für normale Fokale CCD aufnahmen zwar alles abdeckte aber bei Okularprojektion musste alles umgebaut werden, da ich ca. 30mm weiter nach außen musste.
Dann kam mir eine recht gute Idee, (denke ich) wenn ich anstelle eines der Knöpfe eine große Scheibe mit einer Grad Skala anbringe sollten sich alle diese Probleme von selbst erledigen.
Also Knopf abgeschraubt, Welle vermessen und eine kleine Skizze gemacht. Auf die schnelle zum versuchen eine 100mm Scheibe aus einer Schrankrückwand gedreht, 4mm Loch in die Mitte gebohrt und anstelle des Knopfes montiert. Woh, das macht einen verdammt guten Eindruck, total Feinfühlig zum einstellen, jetzt fehlt nur noch die Skala. Am Computer im CAD Programm eine Gradeinteilung konstruiert und ausgedruckt, mit doppelseitigem Klebeband auf die Holzscheibe geklebt und selbige wieder montiert. Einfach gut, das ist die Lösung.
In der Zwischenzeit ist die Holzscheibe immer noch drauf, aber eine aus Alu ist schon in Arbeit, wird die nächsten Tage dann montiert werden.
Wie schon gesagt hat die Scheibe eine 360 Grad Einteilung, jedes Grad kann leicht abgelesen werden. Ein verstellen der Scheibe um 100 Grad bewegt den Okularauszug um 7,12mm, damit ergibt sich eine Auflösung pro Grad von 0,0712mm am Okularauszug. Halbe Grade können ohne Problem noch abgeschätzt werden. Die Scheibe ist so montiert, das bei ganz eingefahrenem Okularauszug selbige genau auf Null steht, das ist praktisch der Referenzpunkt.
Für jeden Aufbau und für jede Art von Filter für CCD Aufnahmen kann nun die schärfste Stellung notiert werden und immer wieder genau angefahren werden. Sehr interessant ist es auch bei CCD RGB aufnahmen, die unterschiedlichen Korrekturwerte für die einzelnen Filter brauchen nur einmal ermittelt werden und können dann wirklich total genau reproduziert werden.
Um das mechanische Spiel in dem Antrieb des Okularauszuges weitgehend zu eliminieren, sollte man sich von Haus aus angewöhnen immer etwas weiter heraus zu drehen und nur beim hineinfahren des Auszuges den gewünschten Wert anfahren, danach klemmen.
Da sich der Messbereich über den gesamten Weg des Okularauszuges erstreckt, können wirklich alle erdenklichen Kombinationen notiert und reproduziert werden.
Zum Beispiel mit Off Axis Guider oder ohne, Filterschubladen, Flip Mirror und so weiter.
Was ich noch nicht getestet habe ist, wie stark sich eine Unterschiedliche Temperatur auf den Fokus auswirkt, das ist auch bei jedem Teleskop anders. Hier könnte man ganz einfach einen Messwert kurz auf die Schärfe am Stern überprüfen, sollte eine Abweichung vorhanden sein müsste die nur als Differenzbetrag auf die anderen Werte übertragen werden.
Auf eine genaue Beschreibung der Herstellung meiner neuen Achsbefestigung verzichte ich hier, da es mit Sicherheit Unterschiede bei den verschieden Teleskopen gibt und jeder vielleicht eine etwas andere Lösung bevorzugt. Es währe natürlich auch denkbar, einen runden Winkelmesser aus dem Schreibwarengeschäft dementsprechend zu modifizieren, hier sind natürlich alle Wege offen.
Es würde mich freuen, wenn diese Idee von vielen Astrofotografen übernommen werden würde, es ist eine total einfache aber extrem wirkungsvolle Lösung zur Wegkontrolle.
Über ( positive ? )Erfahrungen und Kommentare dazu würde ich natürlich freuen.
Schönen Gruß, viel Erfolg und CS Raimund