MAG6 - Erstes steirisches Teleskoptreffen

[Autor: Norbert Steinkellner]


Noch bevor der offizielle Bericht über MAG6, das erste steirische Teleskoptreffen am Eibisberg in St. Kathrein am Offenegg (nördl. von Weiz) von Wolfgang Kienreich auf www.nachthimmel.at veröffentlicht wird, kommt hier einmal ein Teilnehmerbericht. Es war mein erstes Teleskoptreffen, und ich fand es toll, daß - auf Anregung von Frank Wunerlich-Pfeiffer (ein junger Albireoaner) - der Wolfgang sowas veranstaltete, noch dazu in einer für mich gut erreichbaren Nähe (ich wohne in der Südsteiermark). Um die 20 Leute haben den Weg auf die Alm in etwa 1200 m Höhe gefunden, und es war eine feine Runde an Fernrohren zu finden: Unter anderem mehrere Russentonnen, zwei 4"- Apos, ein 96mm-Selbnstbau-Newton, ein kurzbauender 20 cm-Newton mit riesiger Obstruktion (sicher so um die 35%), ein 7"-Maksutov-Cassegrain, ein 20cm f/5 Skywatcher, Franks kleiner katadioptischer 114mm-Newton von Celestron, und die Attraktion des Treffens: ein 40cm-Dob vom Fernrohrbauer von Keller himself, mit vollautomatischer Dobsonmontierung (bei der allerdings die Nachführung defekt war; dank der Digitalteilkreise war das Aufsuchen der Objekte aber trotzdem kein Problem, man mußte das Viech nur per Hand nachziehen). Zwei verzweifelte Astroneulinge mit einem kleinen Kaufhausnewton mit einem durch eine "Correktion Lens" geschlossenen Tubus, bei dem sich der Hauptspiegel später als verspannt herausstellte. Und ich hatte natürlich mein TAL1 (110mm f/7,3 Newton) dabei, und nötiges wie praktisches Zubehör: Meine Okulare (25mm TAL König, 18mm Bertele, TS-Zoo, 22-7,4 mm), NoName - 2xBarlow, ein 8x40 Weitwinkelfernglas von Minolta, Gartentischchen, Bügelsessel (der wird auch noch mal zum richtigen klemmbaren Astrosessel umgebaut), Rotlichtlampe, Karkoschka, und ein Diktiergerät für Notizen. Die erste angenehme Überraschung hatte ich schon bei der Überprüfung der Justierung meines TALs: Obwohl ich bei der Zufahrt auf der Rumpelstraße durch ein Schlagloch gerast bin und das Fernrohr einen ordentlichen Hüpfer gemacht hat, ist es immr soch perfekt kollimiert - so ein Russenrohr ist eben nicht leicht aus der Bahn zu werfen.

 

Der erste Vorbote der Nacht in der beginnenden Dämmerung , die Halbvenus, wurde von einigen gleich aufs Korn genommen. Sie ist gerade eine leicht gekippte Kuppel - ein witziger Anblick. Die Fotografiererfraktion richtete schon bald danach die Montierungen ihrer Apos und Teles auf den visuell noch gar nicht sichtbaren Polarstern aus. Kaum wurde Wega sichtbar, hatte der Takahashi-Apochronaut schon Epsilon Lyrae im Binoansatz: seehr schön getrennt, da wollte ich einmal sehen, ob mein TAL da mithalten kann: mit dem Telrad links neben die Wega gepeilt, und voila! Im 25er Okular sofort im Blickfeld, dann gleich schön zentriert und mit voller Power hinein: bei 220fach (Zoom+Barlow) war der Abstand der Komponenten scheinbar so groß wie noch nie zuvor gesehen, die vier Sterne ganz klar definiert: das Seeing der wolkenlosen Himmels schien ausgezeichnet zu sein. Der zum Vergleich herangeeilte Apo-Besitzer lobte dann auch die scharfe, kontrastreiche Abbildung in meinem TAL, was mich natürlich mit stolz erfüllte (man bedenke: refraktorverwöhntes Auge blickt durch ein ZOOM + BARLOW mit einem SPHÄRISCHEN Newton und ist voll des Lobes!!). Meine Optik sollte auch später noch ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Im Laufe der Nacht stieg die Grenzhelligkeit auf geschätzte 6,3-6,4 mag; die Dunkeladaption wurde aber durch die vielen laufenden Laptops der Fotografiererfraktion empfindlich gestört (grrr!).

 

Nun zu einigen Objekten der Nacht, durch verschiedene Instrumente beobachtet:

 

M57: Im TAL bei 32fach den "unscharfen Stern" schnell gefunden; bei 220fach war der ovale Rauchring sehr schön zu sehen. Später im 40er Dob präsentierte er sich herrlich hell (Farbe hab ich allerdings keine an ihm entdecken können); den Zentralstern konnte ich aber auch indirekt nicht ausmachen. Auch nach der in der Nähe befindlichen schwachen Galaxie sahen wir uns die Augen vergeblich aus.

 

M81/M82: Dieses Pärchen wollte ich im TAL und im Takahashi-Apo vergleichen. Im TAL bei 32x ein schön und entspannt zu genießender Anblick, im Apo+Bino wegen der Lichtaufteilung natürlich um einiges dunkler, wegen der Beidäugigkeit aber auch recht schön. Bei Galaxien scheint der Apo einem guten Newton kaum voraus zu sein ...

 

M101: Frank Wunderlich-Pfeiffer wollte eigentlich den Anblick in einem 4"-Apo mit dem seines Newton vergleichen; die waren aber beide gerade auf einen Leitstern gerichtet ... So begnügte er sich mit meinem TAL. Ich versuchte, diese Galaxie erstmals zu finden (noch nie gesehen!), also Mizar7Alkor angepeilt, die Kette mit den drei Sternen entlanggehangelt ... und ich seh nix ... Frank stellte mir dann schnell und souverän die Galaxis ins Zentrum des Geschtsfeldes des 25mm ein, murmelte: "Auch nicht besser" und entschwand wieder. Tatsächlich konnte ich nun einen schwachen, großen, diffusen Nebelfleck ausmachen, auch direkt; immerhin!

 

M13: Einer der Stars des Abends. Im kurzen 20 cm-Newton war er allerdings etwas matschig, wohl wegen der großen Obstruktion. In meinem TAL1 war er zwar etwas (!) dunkler, dafür aber viel kontrastreicher und klarer definiert, mit Einzelsternen am Rand (im Zoom, bei 110fach). Die gekrümmten "Spinnenarme" des KH waren bei mir sehr schön zu sehen. Nun war ich auf den Vergleich mit den anderen Geräten gespannt. Im Skywatcher war er schön hell und ebenso klar und kontrastvoll wie in meinem TAL, nur das jetzt auch aus dem Zentrum Einzelsterne aufblitzten und die Randstruktur leichter und deutlicher zu sehen war. Das 40cm schließlich brachte die ganze Schönheit des Kugelsternhaufens erst so richtig heraus: schöner als jedes Bild von M13, da ebenso reich und aufgelöst, aber mit nadelfeinen Sternen - ein phantastischer Anblick!

 

NGC 7000: Das Fotografierduell zwischen Takahhashi- und TMB-Apo schien beendet, und in letzterem war nun der Nordamerikanebel angepeilt, mit Filter im Okular. Er wirkt geradezu wie eine durchsichtige, schaumartige Masse - ein seltsamer Anblick.

 

M51/NGC 5195: Mein nächstes Ziel mit dem TAL war die wundervolle Spiralgalaxie unter der Wagendeichsel. Bei mir allerdings waren nur die beiden unterschiedlich großen Kerne zu sehen, indirekt ein leichter Halo um M51 ... und hier überraschte mich der Blick durch den 20cm - Skywatcher. Um M51 ein Halo mit ungleicher Helligkeitsverteilung - fast schon als Spirale sichtbar! Die Brücke zu NGC 5195 bleib mir allerdings verborgen.

 

M11: Ich war mit meinem Zeugs gewandert, um nicht mehr den Baum ausgerechnet vor Adler und schild zu haben, und peilte meinen Lieblingssternhaufen M11 an. Im 25er bot sich wieder das Bild des nebligen dreieckigen Sernhaufens mit dem hellsten Stern an der Spitze; bei höherer Vergrößerung im Zoom (ca. 80fach) löste sich der Nebel weitgehend in viele Einzelsterne auf. Eine Dreiecksform war nun nicht mehr zu erkennen, und der hellste Stern schien weiter in die Mitte gerückt.

 

Cirrusnebel: Das war wieder ein Höhepunkt des Abends. Im 40er Dob + Filter konnte man den rotlichen, weitläufig ausgedehnten Nebel immer wieder abfahren und die Nebelfetzen bewundern und sich gar nicht sattsehen ...

 

h/chi Persei: Ich konnte nicht widerstehen, trotz relativ tiefer Lage den Doppelsternhaufen aufs Korn zu nehmen, zumal - bei diesen Bedingungen! Er lohnte es mir mit sternenreichem Glanz, den könnte ich noch hunderte Male anschauen (und werde es wohl auch)!

 

M33: Die mittlerweile fortgeschrittene Stunde ließ die Herbststernbilder auftauchen, und Frank meldete: "Wer will M33 anschauen?" Ich wollte schon zum großen Dob, er zeigt aber auf seinen 114mm - herzerfrischend, wie wenig Respekt er vor Objekten mit geringer Flächenhelligkeit hat (da bin ich wohl zu ehrfurchtsvoll ...)! Tatsächlich war sie als diffuser, schwacher Nebelfleck deutlich sichtbar.

 

M31/M32/M110: Ich bevorzugte ein einfacheres, wenn auch naheliegendes Objekt: zum erstenmal konnte ich BEIDE Begleitgalaxien des Andromedanebels mühelos ausmachen, der Halo der großen Galaxie selbst sprengte bei weitem meine 1,8 Grad Gesichtsfeld im 25mm-König.

 

Um etwa halb vier in der Früh war ich einer der letzten, die ihr Gerät abgebaut haben (ja, ja, gut, der letzte). Es war ein tolles Erlebnis für mich, und ich würde mich freuen, wenn's nächstes Jahr ein Wiedersehen gäbe.

 

Norbert Steinkellner